Wirtschaft und Arbeit

Finanzieller Erfolg und nachhaltiger Beitrag werden im Unternehmenszweck vereint. Die Extreme „nur finanzieller Shareholder Value“ oder „nur guter Zweck“ wurden ergänzt durch viele Ausprägungen dazwischen, die nun die Mehrheit bilden. Das Ziel ist meist nicht die Maximierung der Gewinne zum Selbstzweck, sondern ein gutes Leben für möglichst viele Menschen und ihre Umwelt. Das wird auch transparent gemacht, zum Beispiel im Aktienkurs. Sinnvolle Geschäftsmodelle, die alle weiterbringen, werden speziell gefördert.

Ein maximales Wachstum zum Großkonzern gilt nicht zwangsläufig als langfristiges Ideal. Es gilt, das Unternehmen flexibel zu halten, auch um Schäden durch mangelnde Reaktionsfähigkeit zu vermeiden. Bei der Gründung eines Unternehmens wird mit bedacht, wie mit Misserfolgen umgegangen wird, damit zum Beispiel nach Möglichkeit keine Mitarbeiter*innen entlassen werden müssen. Normal ist zum Beispiel, dass Unternehmen Kinder und Enkel bekommen. Das sind Nachfolgeunternehmen, die aus dem Elternunternehmen hervorgehen und später nach und nach das Geschäft in die nächste Generation überführen. So bleiben Strukturen immer flexibel, zeitgemäß und überschaubar.

In ähnlicher Weise wie bei Unternehmen wird auch bei Individuen finanzieller Erfolg und nachhaltiger Beitrag vereint. Das kann in unterschiedlichen Modellen gelöst werden. Beispielsweise ist eine Entlohnung in Geld und Sozialpunkten denkbar. Die Sozialpunkte können beispielsweise angerechnet werden, wenn man im Alter Pflege benötigt. Oder sie können anderen gespendet werden. So werden auch Jobs entlohnend gewürdigt, für die keine großen Geldtöpfe zur Verfügung stehen. Das Thema zahlt darauf ein, dass Altersarmut kein großes Thema mehr ist.

Es wird weitgehend langfristig und nachhaltig investiert. Kaufentscheidungen werden dementsprechend getroffen. Modetrends und kurzfristige Rabatte sind weniger attraktiv und werden teilweise durch neue Modelle ersetzt. Es werden bewusst Lösungen angeboten, die sowohl nachhaltig als auch kurzfristig attraktiv sind. Zum Beispiel ein schrittweise Upgrade eines Produktes, um dieses bezahlbar und abwechslungsreich zu gestalten und dennoch den Nachhaltigkeitsgedanken zu berücksichtigen. Größere Anschaffungen, zum Serviceroboter, lassen sich für eine bestimmte Zeit testen. Dafür gibt es eigene Geschäftsmodelle. 

Läden arbeiten sehr verantwortungsvoll, sowohl für Mitarbeiter*innen als auch für Kund*innen. Zum Beispiel teilen sich Läden von Einzelhandelsketten die Öffnungszeiten auf, damit nicht jeder Laden extrem frühe oder späte Öffnungszeiten anbieten muss. Die Läden wachen über die Angebote der Hersteller im Sinne der Kund*innen und Konsument*innen. Hersteller, die nicht nachhaltig genug handeln, werden konsequent aus dem Sortiment genommen, da sie rufschädigend sind.

Eine ganz neue Verbindung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter*innen ist entstanden. Gegenseitiger Respekt und Wertschätzung werden gelebt. Die Kolleg*innen sind freundlich im Umgang miteinander und sprechen gut über die anderen. Das bekommen auch die Kund*innen mit und spüren die angenehme Atmosphäre.

Die Arbeitsbedingungen haben sich noch einmal deutlich verbessert. Das gilt für alle Arbeitsbereiche. Arbeit ist insgesamt deutlich selbstbestimmter geworden.

Der durchschnittliche Arbeitstag hat 6 Stunden und ist flexibel aufgeteilt. Individuelle Bedürfnisse wie Schlafrhythmus und Konzentrationsfähigkeit werden soweit es geht berücksichtigt. Das wird auch schon Kindern nahegebracht. Sie lernen sich auszuruhen. Dabei geht es darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen eigenem Nutzen und Nutzen der Umgebung zu erreichen.

Es gibt deutlich mehr Einzelpersonen, die in Netzwerken organisiert sind. Das klassische Unternehmen wird teilweise durch Koordinationsgruppen abgelöst, die Dienstleistungen für die Einzelpersonen erbringen, z.B. Vermittlung von Aufträgen, Bündelung der Leistungen verschiedener Einzelpersonen, Abrechnung, IT-Dienstleistungen usw..

Die Arbeitswelt ist auch in der Festanstellung flexibler geworden. Jobs werden kleiner geschnitten als 40 Stunden/Woche über Jahre. Zum Beispiel teilen sich 2 Menschen einen Job / eine Führungsposition. Es ist möglich, in 2-3 Jobs, die auch voneinander profitieren können, gleichzeitig zu arbeiten. Hochzeiten und Lücken können abgefangen/ausgestaltet werden. Durch die Teilzeitjobs wird es einfacher temporär auszusteigen oder weniger zu machen. Die private und berufliche Situation kann immer wieder neu aufeinander abgestimmt werden. Das gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. Viele sind produktiver, ausgeglichener und bereit sich mehr zu engagieren. Der Wechsel zwischen den Jobs macht Spaß. Flexible Auszeittage pro Monat sind ebenso möglich wie die Kombination von Urlaubs- und Arbeitsreisen.

Arbeit ist auf Mikroebene möglich. So kann Bedarf und Nachfrage einander flexibel angepasst werden. Mikro-Jobs sind sowohl Tätigkeiten, für die wenig, als auch für die viel Know-how notwendig ist. Zum Beispiel kann man je nach Auslastung, Gesundheit, familiärer Situation etc. Mikro-Aufträge annehmen. Das ist entsprechend auf Kinderbetreuungskonzepte abgestimmt. Auch Kinderbetreuung ist überall zeitlich flexibel möglich, zum Beispiel auf Stundenbasis.

Durch Mikro-Jobs kann auch die Rente aufgebessert und Know-how langfristig genutzt werden. Erfahrene Menschen können in Mikro-Jobs andere unterstützen, ihr Wissen einbringen und einen langsamen Rückgang der Arbeitsintensität ermöglichen.

Es gibt immer weniger standardisierte Berufsbezeichnungen und vorgegebene Wege. Bei einem Jobwechsel wird zum Beispiel nicht mehr nur nach dem Lebenslauf und den Erfahrungen der Vergangenheit, sondern nach den Vorstellungen und Ideen für die Zukunft und wie sich die Person hierfür einbringen kann, gefragt.

In verschiedenen Branchen wurden die Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer*innen deutlich verbessert. Dadurch konnte die Verfügbarkeit von Arbeitskräften verbessert werden. Jobs, in denen man anderen etwas Gutes tun kann, sind beliebt.

Bedarfe an Arbeitskräften in bestimmten Branchen oder mit bestimmten Qualifikationen werden frühzeitig erfasst, damit Schüler*innen mit den entsprechenden Interessen gezielt ausgebildet werden können. Es gibt Unternehmen bzw. Organisationen, die gezielt für zukünftige potenzielle Engpassjobs und -branchen ausbilden und recruiten. Sie werden finanziell gefördert. 

Privatpersonen können Wünsche, Anforderungen und Ideen in Bezug auf Produkte und Dienstleistungen direkt übermitteln. Über ein Tool werden die Impulse an die betreffenden Hersteller weitergeleitet. Ziel ist es die Lebenswelt der Menschen besser zu machen. Egal wo ich bin und was ich mache, ich kann rückmelden was mir auffällt und welche Ideen zur Verbesserung ich habe. Zum Beispiel bei Situationen im Auto, beim Arzt oder im öffentlichen Leben. 

©2020 by Anna Tollmien